Am heutigen Mittwoch werden die Ministerpräsident_innen der Länder gemeinsam mit der Bundeskanzlerin über weitere Maßnahmen zur Lockerung der Einschränkungen sprechen. Der sächsische Kinderschutzbund fordert dazu auf, endlich auch die Kinder und deren Eltern in den Blick zu nehmen und ihnen mit einem Stufenplan zur weiteren Öffnung von Einrichtungen für Kinder eine Perspektive zu geben.

„Kinder brauchen andere Kinder für ihre Entwicklung. Sie benötigen eine anregungsreiche Spielumgebung, Anleitung und Fürsorge, sowie abwechslungsreiche Angebote, die ihrer Entwicklung und Bedürfnissen angepasst sind,“ sagt Christina Koch, die stellvertretende Vorsitzende des sächsischen Kinderschutzbundes. „Eltern und Erziehende haben in den zurückliegenden Wochen zu Hause Großartiges vollbracht, sich während der Kontaktbeschränkungen intensiv um ihre Kinder gekümmert, vielfach nebenbei noch im Homeoffice gearbeitet. Diese Eltern brauchen jetzt eine Perspektive der Entlastung,“ so Koch weiter.

Für Kinder leisten Kindertagesstätten einen wichtigen Beitrag zur Integration, frühen Bildung und Chancengerechtigkeit. Zudem bieten sie gerade für Risikofamilien, in denen eine optimale Förderung unmöglich oder sogar eine mögliche Gefährdung besteht, eine sehr wichtige und wirkungsvolle Schutz- und Präventionsmöglichkeit. „So wichtig die intensiven Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus waren, braucht es nun einen zeitlich untersetzten Rahmenplan zur Öffnung für weitere Anspruchsgruppen,“ formuliert Ullrich Gintzel, Vorsitzender des sächsischen Kinderschutzbundes. „Die Bedürfnisse und der Schutz von Kindern muss bei möglichen Entscheidungen zu Kita-Öffnungen an erster Stelle stehen. Zu lange wurden Kinder als potentielle Virenträger gesehen und nicht als Menschen mit eigenständigen Rechten,“ so Gintzel weiter.

Wir befürworten als Kinderschutzbund den von der Jugend- und Familienministerkonferenz der Länder (JFMK) gemeinsam mit dem Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) entwickelten vier-Stufen-Plan, nach dem behutsam und unter Berücksichtigung der jeweiligen Situation vor Ort in vier Phasen Kindertagesstätten wieder geöffnet werden sollen.

Im gleichen Maße, wie Kindern damit eine Perspektive gegeben wird, muss die personelle und räumliche Ausstattung des Trägers sowie der Schutz der Kita-Fachkräfte unbedingt Beachtung finden. Es sind klare Rahmenbedingungen und Vorgaben zum Schutz von Kindern, ihren Familien und den Mitarbeitenden seitens des Landes notwendig. Für die Träger braucht es realistische und praxisnahe Umsetzungsmöglichkeiten dieser, sowie Gesamtkonzepte, die diese wirkungsvoll absichern.

Die Träger von Kindertagesstätten im Kinderschutzbund erwarten für jedem einzelnen Schritt klare Bestimmungen seitens des zuständigen Ministeriums, welche Kinder in eine weitere Betreuung aufgenommen werden können, sowie eine Anlaufstelle, bei der sie Anfragen prüfen lassen können. Auf dieser Basis müssen die Einrichtungen Entscheidungen treffen können, da sie den Einblick in die Lebenssituationen und Bedarfe der Familien haben.

Die aktive Einbeziehung der Träger und des Kita-Personals ist Grundvorrausetzung für eine gelingende Öffnung. Jugendämter als Träger der öffentlichen Jugendhilfe sind in ihrer Verantwortung und rechtlichen Verpflichtung für das Kindeswohl, so weit erforderlich, einzubeziehen. Besonders für Familien mit erhöhten Belastungen und Risiken ist der Schutz von Kindern zu sichern. Hierbei sind Kooperationen von zuständigen Allgemeinen Sozialen Diensten (ASD) und Kitaleitungen sowie der Austausch mit Erziehungsberatungsstellen und Familienbildungsstellen wünschenswert.

Eine wirklich gelingende pädagogische Arbeit mit den Kindern ist unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nur sehr unzureichend möglich. Die Art und Weise der Umsetzung der Kinderbetreuung durch den Träger, z.B. im Schichtbetrieb, muss dieser nach personellen und räumlichen Ressourcen mit Blick auf die Forderungen des Seuchenschutzes sicherstellen können. Es braucht Zeit und Geld, um die geforderten hygienischen und räumlichen Voraussetzungen in Kitas für alle zufriedenstellend umsetzen zu können. Je nach den individuellen Rahmenbedingungen müssen durch den Freistaat auch Kosten- und Personalaufstockungen in den Blick genommen werden. Dies kann z.B. bedeuten, dass notwendige Mittel zur Desinfektion und für den Arbeitsschutz den Trägern von Kindertagesstätten ausreichend zur Verfügung zu stellen sind oder bei einem Schichtbetrieb auch die Kosten für Stundenaufstockungen übernommen werden müssen.

Die seit einigen Tagen umgesetzte Öffnung der Spielplätze wird vom Kinderschutzbund unterstützt. Damit wird für alle Kinder wieder ein sozial notwendiger Lebensraum geöffnet und das Bedürfnis sowie das Recht auf Bewegung und Spiel hergestellt. In Ausweitung der sozialen Kontakte von Kindern sollten befreundete Familien und Nachbarn unter Einhaltung aller Schutzvorkehrungen zukünftig auch die Möglichkeit haben, Treffen und gemeinsame Spiele von Kindern zu ermöglichen.

Das Spannungsfeld zwischen Kindeswohlsicherung und dem Seuchenschutz einer Gesellschaft ist uns als Kinderschutzbund bewusst. Gleichwohl müssen die Bedürfnisse der Kinder im Mittelpunkt stehen. Daher befürworten wir eine schrittweise, gut abgestimmte Öffnung und vor allem klar definierte Vorgehensweisen, die nicht zu Lasten der Mitarbeiter_innen und Träger gehen, aber zum Wohle der Kinder beitragen.

(Quelle: Deutscher Kinderschutzbund Landesverband Sachsen e.V.)

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